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Goethe und seine Verleger

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1. Aufl. Insel Verl., Frankfurt, 1991. 790 S. mit zahlr. Abb., Ln.U. - Neuwertig -Unseld ging es in seinem Text nicht nur um die Klärung des Einflusses der Verleger auf den "ersten Profischriftsteller" sondern auch um den Einfluß der Goethe-Frauen und seiner Mitarbeiter auf seine Arbeit. Nie wieder hatte ein Schriftsteller so viele Mitarbeiter und Zuträger wie Goethe. Seine Verlagsgeschäfte erledigte ein Beauftragter, ein Agent, für ihn. Und: Goethe und sein letzter und langjähriger Verleger, der Schwabe Cotta, waren die Vorkämpfer für das deutsche -- international vorbildliche -- Urheberrecht. Goethes selbst unternommene editorische Arbeit an einer Werkausgabe, der Ausgabe letzter Hand war für ihn das Motiv sich ein Privileg für den Druck der Ausgabe zu sichern. Raub- und Nachdrucke waren zu Goethes Zeiten nicht nur üblich, sie wurden aus wirtschaftlichen Gründen von manchen deutschen Staaten gar gefördert. Bei allen 39 Kleinstaaten suchte Goethe einzeln um das Druckprivileg nach. Und erhielt es zum Erstaunen der Fachwelt. Eine Sensation auf der damaligen Leipziger Buchmesse. 36 Verlage hatten versucht in einer brieflichen Versteigerung an de Rechte der Goethe-Ausgabe zu kommen. Doch am Ende blieb der Dichterfürst seinem Stuttgarter Verleger Cotta treu.

Anhand der Herausgabe des Briefgespräches zwischen Goethe und Schiller durch Goethe und der Arbeit an der Ausgabe letzter Hand demonstrierte Unseld die Arbeitsweise Goethes mit seinem Verleger Cotta. Goethes Ausspruch, daß es für Buchhändler eine eigene Hölle geben müsse, erkläre sich aus den vielen Unstimmigkeiten zwischen der Witwe Schillers, Goethe und Cotta, die sich an dieser Arbeit entzündet hatten. Schillers Witwe, deren Schwester und Schillers Sohn hatten Goethes Briefe zurückgehalten, aus Furcht, bei dem einträglichen Publikationsprojekt finanziell benachteiligt zu werden. Goethe bot Geld, vergeblich. Er bot mehr und ... zahlte nicht. Als er dann von einer Absprache zwischen Schiller-Witwe und Cotta hörte, tat er den obenerwähnten berühmten Ausspruch. In der anschließenden Diskussion wurde Unseld von berufener Seite widersprochen: Gleich doppelt so hoch wie von Unseld angegeben setzte Professor Klaus Oettinger den Wert des Einkommens von Goethe an. Schützenhilfe gab der emeritierte Germanistikprofessor Wolfgang Preisendanz: Der Mythos vom "armen Poeten" halte sich hartnäckig. Preisendanz konnte für zwei der "scheinbar Armen" -- Heinrich Heine und Gottfried Keller -- beträchtliche Einkommen aus der Schriftstellerei nachweisen. --Oliver Gassner

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